EU-Abgeordnete besucht Wirtschaft der Region

Veröffentlicht am 17.05.2017 in Europa

Die SPD-Europaabgeordnete Susanne Melior staunte nicht schlecht, als sie auf den Parkplatz vom Zementwerk der Cemex AG in Rüdersdorf fährt: „Gehört das hier alles dazu? Das ist ja riesig!“ Die Michendorferin vertritt ganz Brandenburg in Brüssel und ist am 8. Mai der Einladung von Bundestagskandidat Stephen Ruebsam gefolgt, mit Betrieben in Ostbrandenburg ins Gespräch zu kommen. Der Cemex-Konzern betreibt auf der ganzen Welt Steinbrüche und Zementwerke, vieles in Berlin ist mit Kalkstein und Zement aus Rüdersdorf erbaut, sogar das Fundament des Brandenburger Tores stammt aus dem Steinbruch der Region. Heute ging es im Gespräch mit Vorstand Benedikt Jodocy und Geschäftsführer Henning Weber um Emissionsrichtlinien und Zukunftspläne für die noch bessere Nutzung der Abwärme und Gase, um Synergieeffekte bei Brennstoffen. So nutzt das Werk als Sekundärrohstoff zur Zementgewinnung, der mit in den Drehrohrofen kommt, Hüttensand vom nahegelegenen Stahlwerk in Eisenhüttenstadt. Durch die enge Verzahnung der lokalen Stoffkreisläufe - es wird beispielsweise Klärschlamm als Brennstoff genutzt - hängen Wirtschaftszweige voneinander ab, die gar nicht so offensichtlich sind. Gerade für diese Synergien in der Region und Forschungsprojekte wünscht sich Vorstand Jodocy mehr Hilfe vom Bund und der EU. 

 

Am Nachmittag waren Melior und Ruebsam dann in der Landwirtschaft: Nach der Fahrt durch Wald und Felder wurden sie herzlich mit frischem Apfelsaft begrüßt von Familie Wollanik, den Eigentümern des Obsthofes Müller in Wesendahl, einem Ortsteil von Altlandsberg. Vom Firmengründer Franz Müller hat Anke Wollanik den 70 Hektar großen Obstbaubetrieb übernommen, inzwischen ist auch Tochter Cathleen mit eingestiegen. Wenn also dann Großmutter Jutta Müller, die hier und da noch hilft und die Enkelin auf dem Hof sind, sind vier Generationen Frauen der Familie im Betrieb. Sie haben den Hof erfolgreich immer mehr zu einem Erlebnishof umgebaut. Vom Hofladen bis zur Selbstpflücke von Spargel, Erdbeeren und Kirschen bieten die Frauen hier ganz viel in der ländlichen Region. 2013 hat die Firma nach einem großen Ernteausfall einen großen Kredit aufgenommen, um eine Frostschutzberegnungsanlage für 12 Hektar zu bauen – in diesem Jahr hat sich die Investition ausgezahlt, konnten durch die künstlich erzeugte Eisschicht doch die Blüten von ungefähr der Hälfte der Apfelbäume vor dem Frost bin in den Mai hinein gerettet werden. Der Rest der Apfelblüten ist leider zu 90 Prozent erfroren.

Familienbetriebe in der Landwirtschaft haben es schwer. Durch starke Konkurrenz aus dem Ausland, durch Handelsembargos oder Lohnsteigerungen müssten auch die Preise für gute Lebensmittel steigen – aber das käme bei den Endverbrauchern nicht an, so die Geschäftsführerin. Gerade kleine Betriebe hätten mit großen bürokratischen und finanzrechtlichen Hürden zu kämpfen, die viel Zeit binden, die man besser auf dem Feld oder mit dem Entwickeln von Innovationen verbringen könnte. 

Dr. Andreas Ende, Geschäftsführer des Gartenbauverband BB e.V., forderte von der Politik, den Blick mehr auf die kleinen und mittleren Betriebe zu lenken und dabei zu helfen, das Bewusstsein für Lebensmittel aus der regionalen Landwirtschaft in der Öffentlichkeit zu stärken, auch bei Ernteausfallversicherungen müsse Deutschland nachsteuern. Viel werde gerade über Pestizide in der Landwirtschaft diskutiert, so Anke Wollanik. Dabei sei verantwortungsvoller Umgang mit Pflanzenschutz für Obstbauern wie die Wollaniks selbstverständlich, leben sie doch von ihren Böden und von gesunden Bienen und Vögeln. 

Am Ende kehrt Susanne Melior, die sich in der EU auf Umwelt und Ernährung spezialisiert hat, noch in dem Hofladen ein, um einzukaufen: „Den Honig vom lokalen Imker muss ich unbedingt probieren.“

 

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