Was passiert in der Hennickendorfer Kirche?

Veröffentlicht am 28.01.2018 in Kommunalpolitik

Interview mit Heinz und Irmgard Wehrmann 

-Über die Umstände der Beschaffung eines „neuen“ Altars für die Kirche in Hennickendorf-

Von Sven Templin

Heinz, Irmgard, schön, dass ich heute bei euch sein darf und vielen Dank, dass ihr euch Zeit für unser kleines Interview nehmt. Wie ich gehört habe, habt ihr, wie wahrscheinlich alle anderen Gemeindemitglieder auch, bereits dem letzten Gemeindebrief entnehmen können, dass die Kirchengemeinde Lychen förmlich um Beendigung des Leihvertrages und die Rückgabe der Kanzel bittet. Das Rückgabegesuch erzeugt seit einiger Zeit große Unruhe bei einigen Hennickendorfer Bürgern. So hat Frau Rechtsanwältin Schütte dazu in der neusten Ausgabe der Wachtel einen Artikel geschrieben. Wo sie noch einmal auf die Einzigartigkeit von Altar und Kanzel eingeht. Da eine abschließende  Entscheidung durch die zuständigen Kirchengremien noch ansteht, ruft sie die Hennickendorfer auf, sich verstärkt für den Verbleib von Altar und Kanzel in der Hennickendorfer Kirche einzusetzen.

Auch ich möchte meinen Beitrag dazu  leisten. Ich beabsichtige über den Ortsbeirat Hennickendorf ein Schreiben zu initiieren und mit diesem an den Superintendenten heranzutreten, um für den Verbleib von Altar und Kanzel in der Kirche Hennickendorf zu werben. Hier können einige sich die Frage stellen: Warum soll sich der Ortsbeirat in kirchliche Dinge einmischen? Mir fallen da spontan zwei Punkte ein; die Kirchengemeinde Hennickendorf  ist eine der Größten ihrer Art in der Region und sehr aktiv, in Küstrinchen finden nur gelegentlich Veranstaltungen in der Kirche statt. Zweitens hat die ehemals selbständige Gemeinde Hennickendorf für die Restaurierung des Hattenkerell- Altars 1995 und 96 der Kirchengemeinde insgesamt 34.000 DM Förderung gewährt. Diese Investition in die Erhaltung des Altars hat sich sichtlich gelohnt.

Heinz und Irmgard, Ihr seid gefühlt seit hundert Jahren fest mit der Kirche in Hennickendorf verbunden, ich kann mir die Kirche Hennickendorf ohne euch nicht so richtig vorstellen. Könnt ihr berichten, wie und warum  Altar und Kanzel ihren Weg nach Hennickendorf fanden? 

(Es kann durchaus sein, dass sich in dem nachfolgenden Interview Aussagen und Darstellungen mit frühen Berichten doppeln, das ist gewollt, um die Geschehnisse dieser Jahre aus verschiedenen Blickwinkeln möglichst genau nachzuzeichnen. Begeben wir uns zunächst zum Anfang der Geschichte, wo war der Auslöser, der im Ergebnis  Altar und Kanzel der Kirche Küstrinchen 1985 nach Hennickendorf führte, vermutet werden kann.)

 

Warum brauchte die Kirche in Hennickendorf eigentlich einen „neuen“ Altar, obwohl alte Fotos belegen, dass unsere Kirche früher einmal einen dreiflügligen Altar mit Kanzel besaß? 

Heinz Wehrmann: Ja das stimmt, bis Anfang der 1970er Jahre stand dieser besagte Altar in unserer Kirche. Der war zwar wurmstichig, aber man hätte ihn durchaus noch fachgerecht restaurieren können. Obwohl das zur DDR- Zeiten mit Sicherheit nicht so einfach war.

Damals war Pfarrer Braun zuständig für die Kirchengemeinde Hennickendorf. Seine Amtszeit ging von 1962 bis 1972, eine Amtszeit dauert in der Regel 10 Jahre. Dann können die Pfarrer sich erneut auf die Pfarrstelle bewerben, oder  sich eine Stelle in einer anderen Kirchengemeinde suchen. Pfarrer Braun kam von der Ostsee zu uns nach Hennickendorf. Ich kann mich erinnern, dass er in seiner leicht unterkühlten Art die Ansicht vertrat; „Kirche muss einfach und schlicht sein“. Das war wohl der ausschlaggebende Anlass,  dass der Altar aus der Kirche sprichwörtlich „abgerissen“ wurde. Man könnte meinen, schon mit der Absicht, ihn nicht herzurichten und wieder aufzubauen. Der Altar wurde in der Sakristei unserer Kirche eingelagert. Das war wohl sein Ende. Die Kellerräume der Sakristei sind seit jeher feucht. Der Altar setzte Schimmel an und vermoderte. Die alte Sakristei existiert heute so nicht mehr. Sie dient jetzt als Durchgang von der Kirche in den neuen Gemeinderaum. Die Gewölbe der Sakristei wurden 2001 mit Erdreich verfüllt. Der alte Altar – oder was von diesem noch übrig war – wurde gleich vor Ort und Stelle auf dem Kirchhof verbrannt.

Ich kann mir bis heute nicht erklären, warum der damalige Gemeindekirchenrat zugelassen hat, dass der Altar aus der Kirche entfernt wurde. Zumal es sich bei den Entscheidern auch um selbstbewusste Gemeindemitglieder gehandelt hat. Wenn ich mich recht erinnere, waren das Hr. Blutke, Hr. Grätz, und Hr. Kunkel.

 

Ein weiteres Foto aus den 70ern zeigt ein großes Holzkreuz an Stelle des Altars. und eine Kanzel im Kirchenraum. Könnt Ihr mir zu diesen Objekten etwas erzählen?

Ja, das Holzkreuz wurde anstatt des Altars angebracht. Ich glaube, es wurde durch den Hennickendorfer Tischlermeister W. Spindler gefertigt. Es war, wie Pfarrer Braun wollte, einfach gehalten und mit einer Beleuchtung versehen. Ich glaube, auf der Rückseite des Kreuzes war eine Neon-Leuchte angebracht.

Existiert dieses Kreuz noch? Wenn ja, wo befindet es sich?

Ja, es existiert noch. Das Kreuz liegt auf dem Boden der Kirche.

Auf dem Foto ist eine Kanzel im Kirchenraum zu erkennen.  Könnt ihr mir zu diesem Objekt etwas erzählen?

Ich glaube, dass das die Kanzel war, die vor dem Altar stand. Sie wurde dann an die rechte Wand gesetzt. Wie sie genau ausgesehen hat, weiß ich nicht mehr.

 

Nun war das schlichte Holzkreuz an der Wand, wie ging die Geschichte weiter?

1972 endete die Pfarrstelle von Pfarrer Braun. Der Pfarrer ………..trat nun seine Stelle an. Die Bestrebungen, einen neuen Altar für unsere Kirche zu besorgen, blieben im Gemeindekirchenrat bestehen.

In den 1980er Jahren wurde Dieter Fritz zum Kirchenältesten in Hennickendorf gewählt. Er setzte sich sehr für einen Altar für die Kirche Hennickendorf ein,  hatte gute Kontakte zum Konsistorium der Evangelischen Kirche Bln/BB. Anfänglich bezog sich die Suche nach einem neuen Altar auf dem Bereich der Lausitz. Damals wurden große Bereiche für die Erschließung vom Braunkohlentagebaue entvölkert, ganze Ort wurden umgesiedelt, Kirchen mussten aufgegeben und entweiht werden. Man hoffte, aus einer diesen entweihten Kirchen einen Altar zu bekommen.

Das änderte sich plötzlich 1985. Das Konsistorium befand, dass die Kirche Hennickendorf Altar und Kanzel der Kirche Küstrinchen erhalten soll. Dort fanden seit 1970 keine Gottesdienste mehr statt. Das Kirchengebäude befand sich in einen desaströsen Zustand, war baupolizeilich gesperrt und sollte eigentlich abgerissen werden. Der Abriss wurde nur nicht vollzogen, da das Geld dafür fehlte. Der Altar und die Kanzel waren demontiert worden und sollten eigentlich einer anderen Kirche überlassen werden. Dieses Vorhaben zerschlug sich dann nach Hörensagen, weil der Altar nicht in die vorgesehene Kirche passte.

Dieter Fritz fuhr im Winter 1985, es soll sehr kalt gewesen sein, nach Küstrinchen. Den Altar und die Kanzel fand er in Einzelteile zerlegt unter Stroh liegend in einer unbeheizten Scheune vor. 

 

Wo wurden der Altar und die Kanzel in Hennickendorf bis zur Restaurierung gelagert?

Der Altar und die Kanzel wurden gleich nach dem Eintreffen in Hennickendorf in der Kirche aufgebaut. Die Teile waren optisch in keinem guten Zustand. Zudem fehlten Teile, die erst später nachgebaut und ersetzt wurden. Die Kanzel musste vor dem Einbau gekürzt werden, sie war zu hoch für die Hennickendorfer Kirche. Ebenso musste die Treppe wieder hergerichtet werden. Der Altar stand bis nach der Wende unrestauriert in unserer Kirche.

Zur Kanzel gehört auch ein Schalldeckel, der wurde aber nie in Hennickendorf aufgebaut.

 

Was ist mi diesem Schalldeckel passiert?

Der wurde damals repariert, der Zustand war sehr schlecht. Gebraucht wurde der Deckel jedoch nicht. Da die Kanzel aufgrund ihrer Höhe eingekürzt werden musste, und da man sich scheute, die entsprechenden Halterungen in die Wand zu schlagen. Das Gemäuer unserer Kirche besteht aus Feldsteinen, die Gefahr einer Beschädigung war zu groß.

Also wurde der Schalldeckel ins Pfarrhaus in der Stienitzseestraße gebracht, dort wurde er im Keller aufgehängt. In diesen Räumlichkeiten wurde dann über Jahre die Christenlehre durchgeführt. Der Deckel müsste sich dort heute immer noch befinden.

 

Ich habe gehört, dass die Partnergemeinde aus Bitichheim/Muggensturm damals für die Restaurierung des Altars Blattgold gespendet hat. Stimmt das, was ist aus dem Blattgold geworden?

Das Blattgold mussten wir beim Konsistorium zur Verwahrung abgeben, das war damals so. Es ist aber schlussendlich für die Restaurierung verwandt worden.

 

Das Interview warf wieder neue Fragen auf, u.a., wie gestaltete sich die Abholung  von Altar und Kanzel in Küstrinchen, wie wurde der Transport organisiert, durchgeführt  – und wer war dabei? Diese Fragen konnten bislang noch nicht abschließend aufgeklärt werden. Die aussagekräftigen Gesprächspartner standen mir für Fragen bislang nicht zu Verfügung. Meine Neugier ist geweckt und ich bleibe am Thema dran.

Am Neujahrstag feierte der Superintendent mit unserer Kirchengemeinde den Gottesdienst in der Hennickendorfer Kirche. Die Gemeindemitglieder hatten anschließend bei Kaffee und Kuchen im Gemeindesaal die Möglichkeit, mit dem Superintendenten ins Gespräch zu kommen. Es wurde sachlich ein Für und Wider zum Verbleib von Altar und Kanzel in der Hennickendorfer Kirche erläutert. Der Superintendent konnte den Hennickendorfern Hoffnung auf den Verbleib der Gegenstände in der Hennickendorfer Kirche  machen.

 

Gemeinsam für Rüdersdorf.

  

 

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