MOZ 11.01.04: "Das wäre heute gar nicht möglich"

Veröffentlicht am 12.01.2004 in Allgemein

Strausberg (MOZ) Der Mut zum Risiko aller Beteiligten hat vor zehn Jahren den Umzug der Krankenhaus-Abteilungen aus Neuenhagen (Chirurgie) und Altlandsberg (Innere) in den Strausberger Neubau möglich gemacht.

"So etwas wäre heute gar nicht mehr möglich", sind sie sich am vergangenen Sonnabend bei der Feier zum zehnten Geburtstag des Hauses einig gewesen. Politiker, Mitarbeiter, Baubetreuer und ein besonderer Patient stellten ihre Sicht auf das kühne Untergfangen dar, den ersten Krankenhaus-Neubau in Brandenburg nach der Wende durchzuziehen.

Von Jens Sell

Weil der damalige Strausberger Kreistag beschloss, von den 13 Millionen Mark, die ihm aus der Gemeinschaftsaufgabe Ost zugeteilt waren, zehn Millionen für den Krankenhausneubau zu investieren, soll Sozialministerin Regine Hildebrandt auf den Tisch gehauen und gerufen haben: "Na, det is doch doll, nun fangt doch endlich an!"

Sowohl Geschäftsführerin Angela Krug als auch SPD-Landtagsabgeordneter Gunter Fritsch, damals als Landrat Vorsitzender des Aufsichtsrates, und seine Gesundheitsdezernentin Marlis Werner zitierten diese Inititialzündung für den Neubau des Strausberger Krankenhauses am vergangenen Sonnabend beim Festakt zu dessen zehnjährigem Bestehen. Was seinerzeit folgte, war ein ständiger Kampf um die scheibchenweise Freigabe von Finanzen, eine gleitende Projektierung, weil mehrfache Umplanung noch während der Bauphase, die den Bauherrenbetreuer Richard Coopmans oftmals ins Grübeln, den Generalunternehmer Philipp Holzmann aber glücklicherweise nicht vom vereinbarten Festpreis abbrachte.

Rund 78 Millionen Mark kostete der Neubau, und viele offene Probleme wurden erst bei der Fertigstellung geklärt, nicht zuletzt die Finanzierung: "Das wäre heute gar nicht möglich", hörte man mehrmals. So hatte auch der Protest der Mitarbeiterinnen der Gynäkologie bei der Grundsteinlegung tatsächlich die Ministerin zum Unmut ihres Staatssekretärs Detlef Affeld hingerissen, den Weiterbestand der Abteilung an diesem Standort zu versprechen - und zu halten.

Sehr aufschlussreiche Einblicke hinter die Kulissen der Gesundheitspolitik Anfang der 90er Jahre gewährte Bauherrenbetreuer Richard Coopmans: "Nachdrücklich haben damals Berater aus Nordrhein-Westfalen im Potsdamer Ministerium versucht, mich davon abzubringen, den Strausberger Neubau voranzutreiben und selbst zu betreuen." Nachdem er im Auftrag der Modrow-Regierung 1990 70 Prozent aller DDR-Krankenhäuser begutachtet hatte, konnte Coopmans auf fundierte Einschätzungen zurückgreifen: "Ich habe damals eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung festgestellt. Unter Berücksichtigung der damaligen Mangelwirtschaft war das zuerst dem herausragenden Engagement des medizinischen Personals zu verdanken." Dass er den Neubau des Strausberger Krankenhaus damals betreute, hat Richard Coopmans bis heute nicht bereut: "Heute veranschlagt man den Lebenszyklus eines neuen Krankenhauses, bis eine grundlegende Erneuerung fällig wird, mit neun Jahren. Dieses Haus ist vor zehn Jahren eröffnet worden, und als ich es heute betrat, fühlte ich mich immer noch in einem neuen und modernen Haus. Und zwar von außen und innen."

Das sei für ihn der Beweis, dass nicht nur private Träger in der Lage seien, ein Krankenhaus wirtschaftlich zu führen. Das Krankenhaus Märkisch-Oderland sorge so auch für einen echten Wettbewerb zwischen kommunaler, privater und gemeinnützig- freier Trägerschaft.

Unter den Rednern, die die Geschichte des Krankenhauses Strausberg und die Entwicklung seit der Fusion mit Wriezen zum Krankenhaus Märkisch-Oderland in den vergangenen und den nächsten Jahren skizzierten, gehörte der Chefarzt der jetzt ebenfalls vereinigten inneren Abteilung Dr. Christian Jensen. Für ihn ist es heute unvorstellbar, dass in Altlandsberg eine innere Abteilung nur mit einem starren Endoskop und überhaupt nicht mit einem Ultraschallgerät ausgestattet war. "Aber so war es, als ich mich seinerzeit bei Dr. Eckhard Topp in Altlandsberg vorstellte", bestätigte Dr. Peter Landschek, der ehemalige Chefarzt der Gynäkologie, der MOZ. Schwester Marianne Pijede berichtete vom Umzug aus Altlandsberg nach Strausberg und auch von den Problemen, die für die Schwestern damit verbunden waren. Chefarzt Dr. Horst Straub würdigte unter anderem das Wirken des langjährigen Chefarztes Dr. Achim Krause, der ebenfall Gast des Festaktes war.

Humorvoll berichtete schließlich der Strausberger Abgeordnete Horst Fröhlich (CDU) vom ersten Krankenhausaufenthalt in seinem Leben, als ihm zum Jahresende der Blinddarm entnommen wurde. Seit 1993 war er Gesellschaftervertreter bzw. Aufsichtsratsmitglied: "Wie ich heute weiß, für eine gute Sache. Ich sage: Weiter so!"

 

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